Fans vom Adventure-Hit „Edna Bricht Aus“ dürfen sich auf das „Point & Click“-Abenteuer „Harveys neue Augen“ freuen, welches ebenfalls vom Edna-Schöpfer Jan Müller-Michaelis stammt. Zwar spielt „Harveys neue Augen“ nicht in einem Irrenhaus, doch trotz der neuen Kulisse und Protagonisten soll das PC-Spiel überraschend, witzig und manchmal makaber sein wie sein Vorgänger.
Harveys neue Augen

Oberin Ignaz erteilt der Klosterschülerin Lilli wieder viele Aufgaben.
Mit 2 GB RAM (bei aktuellen Windows-Systemen), 3,5 GB freien Festplattenspeicher und dem Polizei-Kartei-Dekodomat kann das Abenteuer mit Lilli beginnen:
Die liebreizende Schülerin Lilli lebt in einem Kloster mit einer extrem strengen Oberin Ignaz, die an Frau Rottenmeier aus „Heidi“ erinnert. Diese verlangt besonders von Lilli strikten Gehorsam und drückt dem blonden Engel stets extra Arbeiten auf. Obwohl Lilli so unscheinbar und brav ist passieren gerade bei ihren alltäglichen Aufgaben unglückliche Zwischenfälle. So führt das Weglocken der gefräßigen Termiten dazu, dass ein Mitschüler von diesen verspeist wird. Zum Glück wird Lillis zartes Gemüt mit solchen schrecklichen Dingen nicht konfrontiert, denn in diesen Situationen greifen die Zensur-Gnome ein. Wie Kartoffeln mit Armen und Beinen pinseln sie alles böse und brutale in einem wunderschönen rosa-roten Farbton an.
Schon nach den ersten Spielminuten ist klar dass die Katastrophen - indirekt durch Lillis Schuld – zum schwarzen Humor des Spiels gehören. Umrahmt werden viele Szenen mit dem Erzähler Götz Otto, der sehr einfallsreich jede Szene wie eine Satire beschönigt. Dabei führt die liebe Lilli schön artig die Befehle und Bitten von Mutter Oberin und ihrer besten Freundin Edna aus.
Richtig gelesen! Edna hat ihr altes Leben hinter sich gebracht und ist nicht mehr im Irrenhaus sondern mittlerweile Klosterschülerin. Doch aufgrund der diversen Vorkommnisse sieht sich die Oberin gezwungen Dr. Marcel einzuschalten, welcher für „Zucht und Ordnung“ sorgen soll mit dem blauen Stoffhasen namens Harvey. Doch kaum taucht Dr. Marcel auf ist Edna plötzlich vom Erdboden verschwunden...
Harveys neue Augen

Im Kloster gibt es unzählige Rätsel zu lösen und der hängende alte Greis hat auch eines für Lilli.
Im und um das Kloster verstecken sich tonnenweise Rätsel und es gilt viele Aufgaben zu lösen, wobei die gute alte PC-Maus voll auf ihre Kosten kommt. An allen Stellen, wo Aktionen ausgeführt werden können, verändert sich der Mauscursor und zeigt sogar an mit welcher Taste hier agiert werden kann. Während des 100%igen Spielvergnügens kommen auch die handgemachten Comic-Zeichnungen in Full-HD zur Geltung. Klare heitere Farben wie bei der Protagonisten stehen besonders im Kontrast zu so manch schlimmen Übeltaten.
Weniger Wert wurde dafür auf Hintergrundmusik gelegt. Stattdessen werden die Soundeffekte wie beispielsweise das Bienenstocksummen nur zu gezielten Zeitpunkten eingesetzt. Hervor sticht dadurch weit mehr die erstklassige deutsche Synchronisation mit Sprechen, die bereits beim vorherigen Titel vertreten waren.
Fazit
Unerwartet und überraschend war mein allererster Eindruck von „Harveys neue Augen“. Nicht nur der Retro-Stil mit Dechiffrier-Scheibe, sondern auch der Sarkasmus und unendlich schwarze Humor lassen einen an alte Spiele wie „Monkey Island“ in Nostalgie versinken. Mit einer prächtigen Grafik und viel Liebe zum Detail, wie den „Ki-ki-kinder“-Sprachfehler von Oberin Ignaz, entpuppt sich dieses Point & Click-Adventure als ein seltener Schatz.
Mich hat das PC-Spiel „Harveys neue Augen“ jedenfalls komplett in seinen Bann gezogen, dass ich nur noch sagen kann: Unbedingt kaufen, denn für diese geniale Unterhaltung ist noch kein Komödiant geboren worden.
Autor: Nicole Borkowitz