96.00% stars - "Deponia"„Deponia“ erzählt eine merkwürdige Geschichte, die trotzdem einen phantasievollen Charme besitzt. Erstklassige Charaktere wie Rufus und Toni sowie deren Beziehung sorgen für eine lustige, abwechslungsreiche Unterhaltung. Charismatisch werden die Figuren besonders dank der perfekten deutschen Synchronisation. Auch visuell leistete das Daedalic-Team hervorragende Arbeit mit handgemalten Grafiken. Etwas schade sind die Durststrecken bei Rätseln, sei es nun weil man teils lange Wege zurück legt oder es zu wenig Hinweise bei einigen anspruchsvollen Kopfnüssen gibt. Doch nicht alle Rätsel sind schwer, viel mehr muss man sich anstrengen abstrakter zu denken ;-).Autor: Nicole Borkowitz
Nach den Spiele-Hits „Edna bricht aus“ und „Harveys neue Augen“ präsentiert der Hamburger Entwickler Daedalic das neue Point-and-Click-Adventure „Deponia“. Ganz nach Daedalic-Manier darf man sich auf skurrile Charaktere und Sarkasmus bereits vorab freuen.
In „Deponia“ begleiten wir den prahlerischen Gesellschaftsausbrecher Rufus. Der erfolgslose Fluchtplan-Entwickler versuchte schon unzählige Male dem Planeten Deponia zu entkommen. - Das Wort „Deponie“ versteckt sich dabei nicht umsonst im Namen „Deponia“, denn es handelt sich um einen Planeten voll mit Müll. Den ganzen Schrott sehen die Bewohner aber keinesfalls abwertend, bis auf Rufus.
Als arbeitsloser Tüftler ist er mittlerweile schon zum Gespött in seinem Wohnort Kuvaq geworden. Doch dies schmälert keinesfalls sein Selbstbewusstsein, auch wenn durch seine Experimente das Eigentum seiner Nachbarn erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird.
Helfen wir ihm doch bei seinem neusten Clou um zur reinen Wolkenstadt Elysium zu gelangen. Vorab muss aber noch der Koffer gepackt werden. Ein wichtiges Utensil ist Rufus‘ Zahnbürste, die plötzlich ein Eigenleben entwickelt und sich in einer dunklen Hausecke versteckt. Bauen wir also eine Falle. Dafür sammeln wir fix ein paar Krümel aus dem Sofa. Mit dem Pöppel lösen wir ein Brett aus der Wand und - AUTSCH - fassen in die Mausefalle. Ein paar Krümel für die Mausefalle und schubs lässt sich mit dieser auch die entlaufende Zahnbürste einfangen.
Nun steht Rufus fast nichts mehr im Weg, nur muss der Koffer noch in seiner neuen Konstruktion untergebracht werden. Mit ein paar Handgriffen wird‘s schnell passend gemacht. Verschweigen wir dabei einfach dass wir den Briefkasten von Rufus seiner Ex-Freundin als Sitz umfunktioniert haben. Fällt ihr bestimmt nicht auf ;-).
Nur noch kurz von den Freunden verabschieden und ab geht die Rakete! - Doch Moment mal, fehlt da nicht was? Aber zu spät. Rufus fliegt im hohen Bogen auf den Organon-Kreuzer. Diese Züge laden den Müll der Obrigkeit auf Deponia ab.
Als blinder Passagier an Bord des Organon-Kreuzers erlebt Rufus, wie die hübsche junge Frau namens Goal gegen ihren Willen hier gefangen gehalten wird. So gutmütig Rufus seine Absichten auch sein mögen, leider drückt er die falschen Knöpfe und katapultiert Goal von Bord. Schneller als Rufus lieb ist folgt er ihr, denn blinde Passagiere sind an Board nicht erwünscht.
So findet er sich erneut auf dem Boden der Tatsachen - wieder in Kuvaq. Hier streiten sich dabei schon alle Bewohner darum wer die ohnmächtige Schönheit bei sich aufnehmen darf. Selbstverständlich ist auch Rufus an der Elysium-Bewohnerin interessiert, denn durch sie erhofft er sich ein Ticket nach Elysium.
Deponia
Mal wieder misslingt Rufus ein Fluchtversuch...
Insgesamt gliedert sich die Geschichte in drei Kapiteln und sorgt für extrem gute Unterhaltung dank der egomanischen Natur des Protagonisten sowie seiner ausgeprägten Selbstüberschätzung. Zum guten Gameplay trägt jedoch auch die leichte Bedienung bei. Wer bereits Titel von Daedalic wie z. B. „Harveys neue Augen“ gespielt hat, findet die Steuerung 1:1 übernommen wieder: Mit der rechten Maustaste sieht man sich Gegenstände an und mit der linken Taste erfolgen die Interaktionen. Selbst mit dem Mausrad kann man das Inventar ansteuern. Bleibt nur noch das Speichen und Laden, welches sich beides bequem via Tastenkürzel bedienen lässt.
Typisch für die deutsche Entwicklerschmiede ist der detaillierte und äußerst reizende Comic-Stil. Lobenswert dabei sind besonders die hochauflösenden, handgezeichneten Hintergründe mit ihren liebenswerten Animationen. Die Kameraansicht ist übrigens stets fix. Ebenso viel Liebe zum Detail zeigen die Charaktere. Gelungen sind bei den Figuren vor allem Überraschungseffekte wie beim knallharten Kneipenbesitzer Lonzo. In der maskulinen Gestalt steckt obendrein ein sagenhafter Orgelspieler und exzellenter Espressomaschinen-Techniker.
Einen nicht zu unterschätzenden Effekt macht die deutsche Synchronisation aus. Monty Arnold lieh im Übrigen Rufus seine Stimme. Positiv fallen vor allem die Witze auf, die meist bei übersetzten Spielen nie vollkommen zu Geltung kommen. Verglichen mit vorherigen Titeln verstehen auch jüngere Kinder den Humor in „Deponia“, anders als bei dem durch und durch schwarzen Humor von „Edna bricht aus“.
Deponia
Von hier, Kuvaq auf dem Planeten Deponia, will Rufus um jeden Preis weg und zum sauberen Elysium flüchten.
Betrachtet man den Schwierigkeitsgrad von „Deponia“ sind einige Kombinationen so eigenartig, dass man schon minutenlang umher irrt bis man ein Rätsel lösen kann. Wie für das Genre typisch muss man für die Rätsel zuvor Objekte einsammeln. Tatsächlich hilfreiche Hinweise sucht man allerdings vergeblich. Doch der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben variiert. Neben den anspruchsvollen Knobelaufgaben gibt es oft auch längeren Strecken, die etwas Dröge wirken. Beispielsweise der Weg zwischen Tonis Haus und dem Rathaus.
Nicht zu vergessen ist natürlich der Sound in diesem Einzelspieler-Abenteuer. Von frechen Klangeffekten bis hin zu ausgewogenen Melodien ist in „Deponia“ alles vorhanden. Auflockernd sind vor allem sämtliche Umgebungs- und Interaktionseffekte, wie das Spülen oder Tonis herunter sausende Guillotine.
Fazit
„Deponia“ erzählt eine merkwürdige Geschichte, die trotzdem einen phantasievollen Charme besitzt. Erstklassige Charaktere wie Rufus und Toni sowie deren Beziehung sorgen für eine lustige, abwechslungsreiche Unterhaltung. Charismatisch werden die Figuren besonders dank der perfekten deutschen Synchronisation. Auch visuell leistete das Daedalic-Team hervorragende Arbeit mit handgemalten Grafiken. Etwas schade sind die Durststrecken bei Rätseln, sei es nun weil man teils lange Wege zurück legt oder es zu wenig Hinweise bei einigen anspruchsvollen Kopfnüssen gibt. Doch nicht alle Rätsel sind schwer, viel mehr muss man sich anstrengen abstrakter zu denken ;-).