Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book

Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book

Wem von Hand gezeichnete, japanische Artworks sofort ins Auge fallen, der wird sicherlich schon mal den einen oder anderen Titel der „Atelier“-Serie in den Händlerregalen wahrgenommen haben. Doch kaum einem ist bewusst, dass das erste seiner Art im Jahr 1997 für die erste PlayStation erschien. Nun darf man raten, um den wievielten Teil es sich jetzt wohl bei „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ handelt – um den:

a) 14. Teil,
b) 17. Teil oder um den
c) 20. Teil?

(Die Antwort gibt es unten weiter.)

Die japanische Spieleschmiede Gust sorgt mit „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ für neuen Schwung, denn erstmals erscheint die „Atelier“-Serie für die PlayStation 4. Gleichzeitig bringt die neue Reihe einige Neuerungen mit sich, die genau in Augenschein genommen werden, wie das von Grund erneuerte Alchemie-System und zwei neue Illustratoren. Doch alles der Reihe nach.

Schon vor dem Anlegen des neuen Speicherstands kann man unter „Optionen“ einige Einstellungen zur Kamera-Steuerung (vertikal und horizontal), dem Sound und auch zwischen den vier Schwierigkeitsgraden wählen. Eine Hürde für einige könnte allerdings die Sprache darstellen, denn das PS4-Spiel gibt es nur in englischer und japanischer Sprache, wobei dies für die Synchronisation als auch für die Dialoge gilt. Später lassen sich die Einstellungen aber auch über das Menü jederzeit ändern.

Als Spieler schlüpft man in die Rolle von Sophie.
Als Spieler schlüpft man in die Rolle von Sophie.

Eine liebreizende Geschichte

Beim Starten des Rollenspiels gibt es eine niedliche geschichtliche Einführung. So schlüpft man in die Rolle der jungen Alchemie-Novizin Sophie. Sie wohnt am Rande eines wunderschönen kleinen Städtchens, wie es im europäischen Mittelalter existieren hätte können. In der Stadtmitte von „Kitchen Bell“ steht eine Kirche mit Brunnen und um dieser herum reihen sich eine Einkaufsstraße, Häuser und alles für ein romantisches Stadtleben. Alles was man für ein beschauliches Leben braucht, findet man hier, von Lebensmitteln bis hin zu Büchern. Sogar über eine Alchemistin verfügt die Stadt, zumindest bis kürzlich. Sophie’s Großmutter kümmerte sich um die alchemistischen Belange bis sie starb. Nun tritt die Enkelin in ihre Fußstapfen.

Sophie wuchs bei ihrer Oma auf, aber befindet sich noch in der Ausbildung zur Alchemistin. Als sie eines Tages ein Rezept in ein leeres Buch schreibt, staunt Sophie nicht schlecht als das Buch plötzlich vor ihr schwebt und mit ihr spricht.
Kaum ist der erste Schock überwunden überflutet die junge Novizin das mysteriöse Buch mit Fragen: Wieso kannst du fliegen? Wie kann ein Buch sprechen? Wer bist du? Und viele weitere.
Allerdings erhält Sophie kaum Antworten, denn dieses ominöse, sprechende, fliegende Buch leidet unter Amnesie. Es kann sich kaum an etwas erinnern. Zum Glück kommen beide schnell zur Erkenntnis, dass durch das Aufschreiben von Alchemie-Rezepten die Erinnerungen des Buches zurückkehren. „Plachta“, so heißt das Buch, scheint sich recht gut in Alchemie auszukennen, denn recht schnell weiß sie, dass Sophie noch einiges lernen muss. Zum Zurückgewinnen von Plachtas Gedächtnis und zum Ausbauen Sophies alchemistischer Fähigkeiten wollen sich beide gegenseitig unterstützen.

Die Geschichte plätschert immer wieder gemütlich vor sich hin. Wobei viele Dialoge mit den Nebencharakteren bedeutungslos erscheinen, entpuppen sich andere wiederum als äußerst nützlich. Erst mit einigen Dialogen schaltet man die Charaktere für sich als Mitstreiter frei und erweitert obendrein deren Fähigkeiten. Je mehr man selbst oder durch andere lernt, desto mehr Wissenspunkte sammeln sich bei Plachta, um ihre nächsten Erinnerungsstücke frei zu schalten. Außerdem gibt es auch lustige Szenen mit kleinen aber bissigen Kommentaren, wenn Plachta eingeschnappt ist.
Gemeinsam haben alle Dialoge, dass sie sich mit Artworts und darüber liegende Charakterbildern präsentieren. Für diesen Grafik-Stil wurden erstmals die Illustrationen NOCO und Yuugen ausgewählt.

Das Alchemie-System bildet einen wichtigen Schwerpunkt im Spiel.
Das Alchemie-System bildet einen wichtigen Schwerpunkt im Spiel.

Alchemie will gelernt sein

Wie es der Titel „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ bereits sagt, ist die Alchemie ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. So wurde auch in diesem 17. Teil der Reihe ein von Grund auf neues Alchemie-System eingeführt.

Zum Ausüben der Rezepte stellt man sich einfach vor Großmutters riesigen Alchemisten-Kessel. Als nächstes wählt man aus seinem Rezeptbuch eine Anleitung für die man sämtliche Zutaten besitzt. – Zum Glück kann man Zuhause bis zu 5.000 Plätze belegen. Dies mag zu Beginn recht viel erscheinen, doch im weiteren Verlauf merkt man wie schnell sich sein Vorrat füllt.
Anschließend wählt man aus der Art der Zutat diese aus; beispielsweise ob es ein Mineral, eine Pflanze oder eine Flüssigkeit ist. Hierbei sollte man schon gut auf die Elemente der Zutaten achten, die mit unterschiedlichen Farben (rot, blau, gelb, grün und weiß) gekennzeichnet sind. Entsprechend des Materials, der Farbe und der Qualität (E-A [schlecht bis gut] sowie „S“ für exzellent) ergibt sich eine Form, die an Tetris-Bausteine erinnert. Diese können sowohl 2×2-Blöcke, L- und T-Stücke und viele weitere Formen besitzen. Im Kessel, der ein Quadrat von 4×4-Kästchen darstellt, gilt es dann diese einzelnen Formen bestmöglich zu platzieren. Zwar können Figuren auch übereinandergelegt werden, doch das Ziel ist es so viele Sterne in den Kästchen wie möglich zu vervollständigen.

Sind alle Zutaten untergebraucht sieht man rechts eine Übersicht über die Beschaffenheit des Endproduktes. Hierbei sollte man natürlich recht weit ausgebaute Leisten anstreben. Zum Abschluss gibt es dann eine Zusammenfassung des neuen Erzeugnisses mit den hoffentlich angestrebten Fähigkeiten bzw. Effekten (z. B. zusätzliche MP, Schlaf-Reduktion, etc.).
Je weiter man sein Alchemie-Level aufstuft desto mehr Fähigkeiten lassen sich bei diesem letzten Schritt zusätzlich anfügen (z. B. höherer Preis, Angriff-Boost, etc.).

Zugegeben es mag jetzt lediglich wie eine Tetris-Puzzle-Mischung klingen, doch ist dieses System sehr ausgeklügelt. Sehr schnell erlernt man dieses Alchemie-System und kann auch mit qualitativ schlechten Materialien das Zielprodukt herstellen. Es bedarf dennoch mehr Übung, wenn man wirklich sehr gute Ergebnisse anstrebt. Manchmal muss man auch wieder zurückgehen und andere Zutaten auswählen, um sein gewünschtes Resultat zu erreichen, weil die Farb- und Formenwahl einfach nicht sinnvoll zueinander passen.

Das Resultat ist geglückt und kann demnächst als Heilungsitem verwendet werden.
Das Resultat ist geglückt und kann demnächst als Heilungsitem verwendet werden.

Beständige Herausforderungen

Darüber hinaus haben sich die Entwickler sehr viele Gedanken gemacht, wie man das Alchemie-System stetig erweitern kann. So bildet das beschriebene System gerade erst die Basis. Während des Spielverlaufs schaltet man nicht nur weitere Rezepte frei, sondern auch weitere Kessel. Jeder Kessel besitzt wiederum andere Eigenschaften. Während einer ein größeres Feld von 5×5 Feldern zur Verfügung stellt, fordert der nächste innerhalb von 60 Sekunden das Rezept fertig zu stellen. Andere Events oder Rezepte werden erst freigeschaltet, wenn man ein Produkt mit einer ganz besonderen Eigenschaft herstellt. Zum Teil muss man hierfür eine Reihe von Zwischenprodukten erstellen, um die spezielle Eigenschaft bis zum Endprodukt zu vererben. Anderseits gibt es auch Rezepte, die im Kessel zwei Felder unbrauchbar machen.
An Ideenreichtum hat es den Entwicklern definitiv nicht gefehlt. Auch über einen längeren Zeitraum werden die Spieler mit viel Abwechslung vergütet, die sich über das gesamte Spiel erstrecken.

Jäger und Sammler

Was macht man wenn einem die Zutaten ausgehen? – Natürlich neue beschaffen, doch wo? Alle Materialien gibt es nicht in der Stadt, zudem reicht das Geld dafür bei weitem nicht aus. Also zieht man am besten mit seinen Freunden Monika und Oskar los, um Pflanzen, Mineralien, Knochen, Federn und mehr zu besorgen. Während man innerhalb der Stadt noch abschnittsweise laufen konnte gibt es außerhalb der Stadt eine riesige Karte. Mit dem Voranschreiten der Geschichte schalten sich neue Orte frei. Je weiter das Ziel entfernt ist, desto weiter voran schreitet die Zeit. Gerade der Tages- und Nachtzyklus ist wichtig zu beachten, denn im Dunkeln sind die wilden Tiere/Monster stärker. Für den Anfang reicht es erst mal einen blauen, tropfenartigen „Puni“ zu besiegen.

Das grüne Kerlchen ist übrigens kein Drop, sondern ein Puni.
Das grüne Kerlchen ist übrigens kein Drop, sondern ein Puni.

Um den Kampfmodus zu starten, genügt es vollkommen in einen Gegner hinein zu laufen bzw. sich von hinten anzuschleichen und mit der Rechteck-Taste einen kleinen Vorteil für den Kampf zu verschaffen.
Das Kampfsystem ist rundenbasierend. Links läuft jeder Teilnehmer bis zum unteren Ende der Angriffsleiste abwärts, womit dessen Angriff beginnt. (Ähnlich dem Kampfsystem aus „Child of Light“ oder „Grandia“.) Für jede Runde plant man seine Züge (Waffen- oder Magie-Angriff, Item-Nutzung, sich zu schützen oder die Flucht zu ergreifen). Obendrein kann man zwischen „Offensiv“ und „Defensiv“ wählen, wobei dies sich leider in jede Runde zurück auf den Standartwert setzt.
Übrigens, auch mit dem Schwierigkeitsgrad „einfach“, haben es einige Gegner faustdick hinter den Ohren!
Als Sieger erhält man Erfahrungspunkte und optionale Belohnungen können in Form von Items oder in finanzieller Form sein. Benötigt man noch mehr Material, sollte man eher auf die glänzenden Markierungen achten, die auch auf der Mini-Map mit grünen Punkten versehen sind. Dort erhält man reichlich Items.

Sobald man ausreichend gesammelt und gekämpft hat, kann man sich wieder ans Verarbeiten machen. Die neu produzierten Gegenstände kann man, wenn man oft genug im Café vorbeischaut, auch verkaufen. Hier erhält man aber auch Aufträge zum Sammeln und Kämpfen. Einige sind wiederum zeitlich begrenzt. Doch das hart verdiente Geld kann man auch wieder gut investieren in Gerüchte. – Auch, wenn es „nur“ Gerüchte sind, sollte man wenn die Gerüchteküche über besonders hervorragende Rohstoffqualität spricht, dieser Sache ruhig auf den Grund gehen. Vielleicht ist ja etwas Wahres daran? 😉

Recht wichtig ist übrigens die Zeit, denn kaum Stadtbewohner ist des nachts ansprechbar.
Recht wichtig ist übrigens die Zeit, denn kaum Stadtbewohner ist des nachts ansprechbar.

So viel Liebe fürs Detail – das ist etwas für RPG-Fans!

„Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ besitzt unzählige Einzelheiten, die dieses Rollenspiel zu etwas ganz Besonderem machen. Als Deutschem fallen einem vor allem die Namen auf. Beispielsweise wäre dort der Ritter namens „Julio Sebald Leidenschaft“ oder den Puppenmacher namens „Fritz“. Doch auch einige Rezepte haben interessante Namen, wie „Berg Medicine“ und „Zettel“.

Sehr gelungen ist im Übrigen die Hilfe. Man wird stets gefragt, ob man zu einem neuen Thema etwas lesen möchte oder nicht. Später kann man dies aber auch noch nachlesen über das Menü. Obendrein gibt es gerade für das Kampfsystem eine gute Einführung von Monika.

Für eine heitere Stimmung sorgt obendrein die fröhliche Musik. Insbesondere in Sophies Haus, erinnert ein Teil der Melodie stark an ein Stück aus „Pipi Langstrumpf“, welches wohl an dem flötenähnlichen Klang liegt. Doch ebenso niedlich sind die kleinen Zufallsbegegnungen auf der Karte, welche entweder einen kleinen positiven Effekt haben oder sich zu einem Überraschungskampf entpuppen.
Die Liste mit den vielen weiteren positiven Punkten kann man noch beliebig aufzählen, doch für ein paar kritische Punkte muss auch noch Platz bleiben. Wie beispielsweise den PlayStation 4-Trophäen. Diese sind fast alle geheim. Erst wenn man per Zufall einen frei schaltet, sieht man um welche es sich handelt. Doch dies ist kein Beinbruch. Etwas negativer fällt da schon das nicht vorhandene automatische speichern auf. Man muss stets manuell speichern. Einen Pluspunkt gibt es dafür jedoch wieder, dass man „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ im Netzwerk speichern kann sowie dass man es auf der Vita weiterspielen kann.

Sehr viele Kleinigkeiten, wie mit jemanden zu sprechren oder ihm Geschenke zu überreichen, erhöhen die Langzeitmotivation.
Sehr viele Kleinigkeiten, wie mit jemanden zu sprechren oder ihm Geschenke zu überreichen, erhöhen die Langzeitmotivation.

Fazit

Fehler oder Makel muss man in „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ tatsächlich suchen, denn dieses RPG hat durch seine zahlreichen Vorgänger einen nahezu perfekten Grad erreicht. Wer für sein Leben gerne sammelt und „craftet“, deckt diesen Drang mit der Alchemisten-Novizen Sophie ab. Durch den Forscherdrang schreitet man in dem abwechslungsreichen Spiel voran, dass auch nach vielen Stunden immer wieder Neuheiten parat hält. Lediglich auf deutsche Dialoge und auf automatisches Speichern muss man verzichten, ansonsten kann man sich „Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book“ voll und ganz hingeben, um die mysteriöse Geschichte des fliegenden und sprechenden Buches namens Plachta zu enthüllen.

Autor: Nicole Borkowitz

Entschuldigung, Kommentare zu diesem Artikel sind nicht möglich.

Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book
Bewertung:
Grafik:5 von 5
Sound:5 von 5
Synchronisation:4 von 5
Story:4 von 5
Gameplay:5 von 5
Gesamt: 4,5 von 5
Copyright-Hinweis:
Atelier Sophie ~ The Alchemist of the Mysterious Book ~ ©2015-2016 KOEI TECMO GAMES CO., LTD.